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Volkseigene Gehälter

Es gibt hervorragende Gründe, Manager-Gehälter im zweistelligen Millionenbereich für überzogen zu halten. Man darf gerne auch noch schrillere Adjektive dafür verwenden, wobei das schon verwundern würde auf einer Seite wie der Achse des Guten, die doch einst mit einer „liberalen, weltoffenen und aufgeklärten Haltung“ an den Start gegangen war. Liberale Aufgeklärte weisen nämlich oft und gerne (und zurecht) darauf hin, dass die Höhe von Löhnen vor allem etwas mit dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Markt zu habe – auch wenn man natürlich nur als Radikal-Libertärer alles mögen muss, was der Markt so anrichtet.

Wenn man hingegen wie Thomas Rietzschel in seinem Achse-Beitrag über „Das Volk und die Volkswagen-Millionäre“ die Höhe der VW-Vorstandsgehälter kritisiert, weil diese „Bezüge nie der arbeitsrechtlichen Stellung des Angestellten entsprochen“, ist das denn doch ein wenig illiberal. Auch Rietzschels Behauptung, es handle sich um einen „Diebstahl am Betriebsvermögen“, ist juristisch eher kühn formuliert.

Aber es geht ihm ja gar nicht um den Betrieb VW. Es geht ihm um das Volk: „Was das Volk als reumütige Einsicht schlucken soll, grenzt an Verhöhnung“, schreibt Rietzschel, offenbar enttäuscht, dass „ein Unternehmen, welches das Wort „Volk“ im Namen führt“, so agiert: „Weil VW liefert, was sich der kleine Mann leisten kann, möchte ihm das Volk vertrauen.“

Klar: Der Laden gehört zwar nicht dem Volk, heißt aber so – da ist es nur logisch, dass wir ihn auch als volkseigenen Betrieb behandeln und volkseigene Gehälter festlegen. Wir, die Achsionäre des Guten.

11 comments

  1. stefanolix says:

    1. Es stimmt, dass Liberale die Gehaltsfindung für Spitzenmanager dem Markt überlassen, aber unter folgenden Bedingungen: der Preis muss sich frei am Markt bilden können und der Spitzenmanager muss seine Leistung bringen. Es bestehen aber mindestens seit dem großen Betriebsratsskandal Zweifel, ob bei den VW-Gehältern wirklich immer der Markt entscheidend war. Es bestehen noch größere Zweifel, ob etwa Herr Winterkorn oder Frau Hohmann-Dennhardt wirklich die vielen Millionen Euro Gehalt wert waren. Diese Zweifel werden in dem Achse-Artikel (zugegebenermaßen pointiert) angesprochen.

    2. In dem Achse-Artikel werden auch typische linke Argumente verwendet, etwa zum Verhältnis zwischen den Einkommen der Arbeiter und der Spitzenmanager. Diese Argumente kennt man etwa von Frau Wagenknecht oder Herrn Gysi, von SPD-Politikern oder von Gewerkschaftern.

    3. Der Artikel ist seinem Wesen nach ein Kommentar, also eine Meinungsäußerung. In dem Kommentar wird durchaus abgewogen, ob der Staat in die Gehaltsfindung eingreifen sollte. Als Besonderheiten werden hervogehoben: die Staatsbeteiligung bei VW und der Einfluss der SPD. Beides kann man kritisieren – dafür muss man weder »rechts« noch »völkisch« sein.

    Diese drei Punkte führen mich zu der Frage: Ihre Seite beobachtet »rechte«, »völkische«, rechtspopulistische Medien – wieso wird dieser Artikel als »rechts« oder »völkisch« diskreditiert? Beides ist in der Öffentlichkeit negativ konnotiert. Ich kann in dem Artikel allenfalls eine allgemeine Tendenz zum unbestimmten Populismus erkennen, aber keine rechtsradikalen oder völkischen Aussagen.

  2. Detlef Gürtler says:

    @stefanolix: Einen Teil der Antwort auf Ihre Fragen gibt der Text, der auf der Schmalbart-Seite zum Start dieses Blog veröffentlicht wurde:
    https://www.schmalbart.de/2017/03/schmalbart-startet-beobachter-voelkischer
    Weder dort noch hier steht etwas von „rechten“ Medien, es geht um Populismus bzw. Völkisches. Statt dessen steht dort explizit: „Die Aufnahme linkspopulistischer Publikationen oder Texte zu andernorts erschienenen Beiträgen sind jederzeit möglich, sofern sich eine Verbindung zum „Völkischen“ herstellen lässt, entsprechende Vorschläge bzw. Beiträge sind erwünscht.“
    Auch Sie sind herzlich eingeladen, solche Vorschläge zu machen.
    Der Link zwischen Völkischem und VW-Beitrag ist, wie oben auch geschrieben, das IMHO penetrante Pochen auf das Volk – das eben nichts mit dem Festlegen von Gehältern zu tun hat. Ich hatte früher nichts vom gesunden Volksempfinden bei Diäten-Festlegung gehalten, und ich halte heute nichts vom gesunden Volksempfinden bei Vorstandsgehältern. Ich würde auch nichts davon halten, wenn jemand aus dem links-grünen Spektrum ein solches Volksempfinden mobilisieren wollte.

    • stefanolix says:

      Ich kritisiere sowohl rechten als auch linken Populismus. Ich kann aber schon deshalb keinen Beitrag zu Ihrer Seite leisten, weil sie so heißt:

      Der Name dieser Seite ist die Umkehrung des Namens des »Völkischen Beobachters«. Dieser war bekanntlich das Zentralorgan der NSDAP. Wenn man im Jahr 2017 eine Seite »Beobachter des Völkischen« oder »Beobachter der Völkischen (Medien)« nennt, dann müssten die beobachteten Medien also der NPD oder vergleichsweise verfassungswidrigen Organisationen nahe stehen. Diese Medien müssten einen neuen Nationalsozialismus propagieren und/oder den alten Nationalsozialismus verherrlichen. Das alles ist weder bei der »Achse« noch bei »Tichy« der Fall. Das wäre auch bei linkspopulistischen Medien nicht der Fall.

  3. Detlef Gürtler says:

    Ihre Interpretation des Namens teile ich nicht.
    Die Einladung bleibt natürlich trotzdem bestehen, für Sie und jeden anderen Leser.

  4. UweC says:

    und ich halte heute nichts vom gesunden Volksempfinden bei Vorstandsgehältern.

    Den Text habe ich archiviert.
    Bin gespannt, ob der couragierte Detlef Gürtler genauso couragiert loslegt, wenn wieder mal der rot-grüne Komplex ähnliche Positionen vertritt oder entsprechende Projekte initiiert.

    • Detlef Gürtler says:

      Wenn Sie sehen sollten, wie dieser Komplex (was immer das ist) ähnliche Projekte initiieren sollte (wie immer die aussehen mögen), geben Sie mir gerne Bescheid – nicht dass ich gar nicht dazu komme, mich über etwas zu ärgern, nur weil ich nichts davon mitkriege.

  5. Darth Floersche says:

    „Klar: Der Laden gehört zwar nicht dem Volk, heißt aber so – da ist es nur logisch, dass wir ihn auch als volkseigenen Betrieb behandeln und volkseigene Gehälter festlegen.“

    das land niedersachsen hält über 20% der anteile.
    ist zwar nicht ganz volkseigen aber so ein bißchen halt doch.

  6. UweC says:

    Werfen wir einen Blick in den Judenstaat von Theodor Herzl:

    Wir sind ein Volk, ein Volk.

    Kein Volk der Geschichte hat solche Kämpfe und Leiden ausgehalten wie wir.

    Wie sehr ich auch die Persönlichkeit verehre, die starke Einzelpersönlichkeit des Staatsmannes, Erfinders, Künstlers, Philosophen oder Feldherrn sowohl als die Gesamtpersönlichkeit einer historischen Gruppe von Menschen, die wir Volk nennen, wie sehr ich auch die Persönlichkeit verehre, beklage ich doch nicht ihren Untergang. Wer untergehen kann, will und muß, der soll untergehen. Die Volkspersönlichkeit der Juden kann, will und muß aber nicht untergehen.

    Man gebe uns die Souveränität eines für unsere gerechten Volksbedürfnisse genügenden Stückes der Erdoberfläche, alles andere werden wir selbst besorgen.

    Die Society wird nehmen, was man ihr gibt und wofür sich die öffentliche Meinung des Judenvolkes erklärt.

    Dieser Name allein wäre ein gewaltig ergreifender Sammelruf für unser Volk.

    Denn unsere Leute werden sich im neuen Leben zur Arbeit herandrängen, und die Welt wird erst sehen, welch ein arbeitsames Volk wir sind.

    Die Kreditpolitik der großen Finanzjuden müßte sich in den Dienst der Volksidee stellen.

    Die jüdische Mittelbank müßte im Namen der Volksidee gegen die Hochbank zusammengerafft werden.

    So wird unser Volk seine Tüchtigkeit wiederfinden im Siebenstundenlande

    Das Volk ist die persönliche, das Land die dingliche Grundlage des Staates.

    Der Staat entsteht durch den Daseinskampf eines Volkes.

    Das Judenvolk ist gegenwärtig durch die Diaspora verhindert, seine politischen Geschäfte selbst zu führen.

    So muß ein gewaltiger Zug nach oben in unser Volk kommen.

    Denn wir sind ein modernes Volk und wollen das modernste werden.

    Unsere Volksgemeinschaft ist ja eine eigentümliche, einzige.“

    Ich bin gespannt, wann Schmalbart das Werk des völkischen Nationalisten Herzl auseinandernehmen wird.
    Ob das noch vor dem St. Nimmerleinstag passiert?

    • Detlef Gürtler says:

      Da es sich hier um kein historisches Seminar handelt, sondern um ein Blog, das sich mit aktuellen Äußerungen beschäftigt, passiert das garantiert nicht, UweC. Um Ihre persönlichen Hobbys sollten Sie sich auch persönlich kümmern.

      • UweC says:

        „Um Ihre persönlichen Hobbys sollten Sie sich auch persönlich kümmern.“

        Meine kleine Tirade bringt die Großanalysatoren schon an den Rand des Nervenzusammenbruchs?
        Sieht so als, als hätten Sie nicht viel zum Nachlegen.

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