Startseite » Breitbart: Merkel lanciert Falschmeldung bei Besuch im Weißen Haus

Breitbart: Merkel lanciert Falschmeldung bei Besuch im Weißen Haus

Breitbart behauptet, Merkel habe „Fake News“ verbreitet. Ein weiteres Beispiel für die Arbeitsweise des rechten Nachrichtenportals.

Ungewöhnlich wenig berichtete Breitbart.com über den Besuch von Kanzlerin Merkel in Washington. Mitteilenswert fand die Plattform jedoch zwei Dinge: Zum einen Präsident Trumps Bemerkung, dass Merkel und er die Gemeinsamkeit hätten, einem Lauschangriff der Regierung Obama ausgesetzt gewesen zu sein (dies war kaum mehr als eine Meldung). Zum anderen, dass Angela Merkel im Rahmen der gleichen Pressekonferenz selbst „Fake News“, also absichtlich eine Falschmeldung lanciert habe. Hier wurde Breitbart jedoch ausführlicher.

Während Merkels ungläubige Reaktion auf Trumps absurden Abhörvergleich weltweit für Erheiterung sorgte, dürfte nicht zuletzt durch die Aussagen von FBI-Chef James Comey vor dem Geheimdienstausschuss deutlich sein, dass der Vergleich hanebüchen war. Comey widersprach Trump deutlich und sagte, dass weder das FBI noch andere dem Justizministerium untergeordnete Behörden Hinweise darauf hätten, welche die entsprechenden Twitter-Nachrichten des Präsidenten bestätigten.

Doch welche Falschmeldung hat die Bundeskanzlerin laut Breitbart angeblich in die Welt gesetzt?

„In der ersten gemeinsamen Pressekonferenz von US-Präsident Donald Trump und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel behauptete die deutsche Spitzenpolitikerin, dass ein Wirtschaftsabkommen zwischen den USA und der EU einem bilateralen Abkommen zweier Länder gleichkäme.“

Ein Korrespondent der deutschen Zeitung „Die Welt“ habe Frau Merkel gefragt, ob sie ein Wirtschaftsabkommen zwischen der EU und den USA als multi- oder bilateral ansehen würde.

Merkel sagte, dass ein Abkommen wie das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) bilateral sei.“

Dies sei ein Hinweis darauf, dass Merkel die EU als ein eigenständiges Land und nicht als eine Union von Staaten begreife.

Der Beleg, den Breitbart dazu liefert, ist freilich ein wenig kurios:

„Ich glaube, dass der Präsident seine Philosophie klar dargelegt hat, was Handelsabkommen auch für die amerikanische Seite bringen müssen. Ich persönlich denke nicht, dass Deutschland verhandeln muss und nicht die Europäische Union [sic!]. Wir haben unsere Kompetenzen an die Europäische Union abgegeben, damit die Europäische Union, oder besser gesagt die Kommission im Auftrag der Mitgliedsstaaten verhandelt, sagte Merkel. Damit fasste sie zusammen, dass es die Rolle der nicht gewählten Kommission der EU sei, am Verhandlungstisch für Handelsabkommen zu sitzen.“

Schaut man sich das offizielle Transkript der Bundesregierung an, liest sich der Austausch zwischen Reporter und Kanzlerin jedoch ganz anders:

„Frau Bundeskanzlerin, es geht heute um Handel. Der Präsident hat in der Vergangenheit immer wieder gesagt, dass er multilaterale Verträge ablehnt und bilaterale Verträge möchte. Aus Ihrer Sicht, aus der Sicht der EU, handelt es sich bei TTIP um einen bilateralen [Vertrag, Anm. der Autorin] mit Brüssel auf der einen und Washington auf der anderen Seite? Liegt das Problem in diesen Gesprächen einfach darin, dass Amerika, der Präsident Amerikas, und die Europäer ein grundsätzlich unterschiedliches Verständnis vom Wesen der EU haben?“

Die Antwort der Kanzlerin:

„Ich denke, dass der Präsident seine Philosophie darüber dargestellt hat, was Handelsabkommen auch für die amerikanische Seite bringen müssen. Ich glaube persönlich nicht, dass die Frage ist, ob Deutschland verhandelt oder ob die Europäische Union verhandelt. Wir haben Kompetenzen an die Europäische Union abgegeben. Das heißt, die Europäische Kommission verhandelt über diese Freihandelsabkommen.“

Fazit: Wer allein die Überschrift „Merkel lanciert Falschmeldung bei Trump Pressekonferenz: TTIP-Handelsabkommen ist bilateral“ liest, könnte den Eindruck gewinnen, die Kanzlerin habe auf der Pressekonferenz absichtlich gelogen. Der Artikel selbst bleibt einen konkreten Beweis dafür schuldig und folgt so, in seiner Linie, ganz dem Vorbild des amerikanischen Präsidenten.

 

 

 

3 comments

  1. TakeoffLive says:

    Weil wir schon mal bei Falschmeldungen sind …
    In den letzten Jahren wurde immer wieder über tausende Opfer der Atomkatastrophe von Fukushima „berichtet“. Bis dahin kam das jedoch nur aus den Kreisen, bei denen einen das nicht wundert (Claudia Roth und solche Kaliber).

    Nun ist der MDR auf diesen Zug aufgesprungen.
    Japan erinnert heute an die Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011. Damals starben 18.500 Menschen“

    Ich glaube unbesehen, dass vox-populi sich schon mal mit dieser Fake-News auseinandergesetzt hat, nur leider kann ich den Artikel nicht finden.
    Könnten Sie bitte so nett sein und mir den Link dazu geben?

  2. Danke für den lieben Hinweis. Sie beziehen sich auf Meldungen, die ca. 1 Jahr alt sind. Vox-Populisti startete erst vor ein paar Tagen. Sie weisen aber richtigerweise darauf hin, dass die Zahl der Toten sowohl mehr als auch weniger sein könnten. Die durch Verstrahlung ausgelösten Krebsfälle werden sich in den nächsten Jahren nach und nach erhöhen. Ärzte rechnen mit Tausenden weiteren Toten.
    Wir beschäftigen uns im Übrigen nicht mit allem, was irgendwo richtig gestellt werden müsste, sondern mit populistischen a) Formeln, b) Strategien und c) Programmen. Den Medienpopulismus sollten wir dabei auch im Auge haben.

    • stefanolix says:

      Nein, das stimmt nicht. Die Falschmeldungen über die »Atomkatastrophe mit 18.500 Toten« gab es auch 2017 und der MDR-Tweet stammt (wie man sehen kann) vom 11. März 2017. Die über 18.000 japanischen Menschen starben aber in Wahrheit durch den Tsunami und das Erdbeben. Der MDR war später gezwungen, seine Darstellung richtig zu stellen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.