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Echokammer für rechten Sound

Epoch Times Verkaufsbox in New York

Wie die Epoch Times etablierten Medien den Spiegel vorhalten: Ein Streifzug durch eines der erfolgreichsten Nachrichten-Portale der Republik.

Wahrscheinlich geht es Ihnen ähnlich: Ich stoße häufig auf Schlagzeilen der „Epoch Times“, vor allem auf Facebook. Doch da ich irgendwo gelesen hatte, dass die im Jahr 2000 von antikommunistischen chinesischen Dissidenten in den USA gegründete Zeitschrift inzwischen am rechten Rand der Medienlandschaft zu verorten ist, habe ich lange Zeit nicht geklickt.

Das hat sich geändert. Denn die Epoch Times, die seit 2005 auf Deutsch erscheint (erst als Wochen-, seit 2012 als reine Onlinezeitung), haben im März gleich zweimal meine Aufmerksamkeit geweckt. Erst, als die Berliner AfD einen Artikel auf Twitter als Beleg dafür anführte, dass es in Schweden drunter und drüber geht („ÖPNV in Teilen Schwedens eingestellt“).

Und nur wenige Tage später, als die Epoch Times in einem Ranking der meist-geliketen Medien den achten (!) Platz belegten – direkt vor dem „Postillon“ und mit großem Vorsprung vor den Online-Auftritten etablierter Medien wie der Süddeutschen oder der Frankfurter Allgemeinen.

Wie machen die das? Höchste Zeit, diesen „Hidden Champion“ unter die Lupe zu nehmen. Und um es gleich vorwegzunehmen: Üble Verstöße gegen journalistische Standards, die ich durchaus erwartet hatte, sind mir bei meinem Streifzug nicht aufgefallen – zumindest nicht in Form systematischer Vermischung von Fakten und Meinung oder durch Hetze gegen Minderheiten.

Was dem Portal den Rechtsdrall verleiht, sind eher Themen-Auswahl und Schwerpunkte. Auffallend viel Raum bekommen zum Beispiel: Frauke Petry und die AfD, der ungarische Ministerpräsident Victor Orban und diverse Kritiker der EU, der Massenmedien und der deutschen Flüchtlingspolitik.

Wut-Postings und Handtaschen-Diebstähle

So ist der Redaktion ein „Wut-Posting“ des österreichischen Extremsportlers Felix Baumgartner zur Griechenland-Politik der EU („DUMMHEIT & ARROGANZ haben einen Namen- ANGELA MERKEL & JEAN CLAUDE JUNCKER“) genauso eine Meldung wert wie das neue Buch eines gewissen Franz Schabhüttel, Ex-Leiter eines Flüchtlingsheimes.

Klein-Kriminalität scheint die Redakteure in besonderem Maße zu beschäftigen; selbst über einen Handtaschendiebstahl im nordrhein-westfälischen – der Täter hatte ein „südländisches Erscheinungsbild“ – wird detailliert berichtet („Rentnerin (76) Handtasche brutal entrissen – Opfer stürzte auf den Kopf“)

Und dann natürlich die Medien. Besonders ausführlich widmeten sich die Epoch Times jüngst einem Interview von Wolfgang Herles mit dem Medienwissenschaftler Norbert Bolz aus „Tichys Einblick“ („Medienwissenschaftler: Den klassischen Massenmedien schwimmen die Felle allmählich davon“), in dem unter anderem kritisiert wird: die „totale Herrschaft“ Merkels, deutsche Gesinnungsjournalisten und mediale Hysterie.

Überhaupt greift das Portal immer wieder Beiträge konservativer und (neu-)rechter Medien auf, etwa der „Jungen Freiheit“ und der Internetzeitung „Die freie Welt“, die Beatrix-Gatte Sven von Storch herausgibt. Dort geht es bisweilen derb zu, wie etwa in diesem Text über die Grünen.

Schwer erträgliche Lektüre für Liberale

Derbe Töne scheinen die Epoch Times jedoch nicht zu stören, sie greifen den Text auf und zitieren wörtlich: „Wie freiewelt.net berichtet, verunglimpfen die Grünen in NRW jetzt politische Mitbewerber auf besonders widerliche Weise.“

Klar: Sie machen sich die Position nicht zu Eigen – legen sie aber ausführlich dar, haben keine Scheu vor tendenziösen Formulierungen und lassen die Kritisierten nicht zu Wort kommen. Auf diese Weise fungieren die Epoch Times als eine Art Echokammer, die rechte und populistische Töne verstärkt – ohne störende Nebengeräusche.

Die Themenschwerpunkte – sowie etliche einseitige Meldungen und stark zugespitzte Überschriften – machen die Lektüre für einen Liberalen jedenfalls schwer erträglich. Aber womöglich geht es manchen Rechtskonservativen ähnlich, wenn sie etablierte, eher liberale Medien lesen?

Die Epoch Times geben solchen Lesern eine mediale Heimat; sie covern Themen und Personen, die nach deren Eindruck in den „Mainstream-Medien“ zu kurz kommen. Und weil die Redakteure meist wohldosiert formulieren und selten über die Stränge schlagen, erreicht das Portal auch bürgerliche Rechte. Dazu eine hochprofessionelle Social-Media-Strategie – fertig ist das Erfolgsrezept.

Wäre dem Ganzen die Basis entzogen, wenn sich (Rechts-)Konservative in etablierten Medien wieder eher zuhause fühlen? Mir hat der Streifzug jedenfalls vor Augen geführt, wie frustrierend es sein kann, wenn die Themen und Perspektiven aus dem eigenen Milieu in der Berichterstattung außen vor bleiben.

2 comments

  1. Alvar Freude says:

    Die Betroffenen nicht zu Wort kommen zu lassen ist keine Verletzung journalistischer Standards? Ebensowenig wie die einseitige Beruchterstattung über Kleinkriminelle Ausländer (und nicht Inlànder), das Zitieren von Medien, die journalistische Standards verletzen usw? Na dann …

    • Daniel Schönwitz says:

      Bitte fairerweise genau lesen und zitieren – ich sprach von üblen Verstößen in Form systematischer Vermischung von Fakten und Meinung (oder von Hetze gegen Minderheiten)

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