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Kategorie: Achse des Guten

Volkseigene Gehälter

Es gibt hervorragende Gründe, Manager-Gehälter im zweistelligen Millionenbereich für überzogen zu halten. Man darf gerne auch noch schrillere Adjektive dafür verwenden, wobei das schon verwundern würde auf einer Seite wie der Achse des Guten, die doch einst mit einer „liberalen, weltoffenen und aufgeklärten Haltung“ an den Start gegangen war. Liberale Aufgeklärte weisen nämlich oft und gerne (und zurecht) darauf hin, dass die Höhe von Löhnen vor allem etwas mit dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Markt zu habe – auch wenn man natürlich nur als Radikal-Libertärer alles mögen muss, was der Markt so anrichtet.

Wenn man hingegen wie Thomas Rietzschel in seinem Achse-Beitrag über „Das Volk und die Volkswagen-Millionäre“ die Höhe der VW-Vorstandsgehälter kritisiert, weil diese „Bezüge nie der arbeitsrechtlichen Stellung des Angestellten entsprochen“, ist das denn doch ein wenig illiberal. Auch Rietzschels Behauptung, es handle sich um einen „Diebstahl am Betriebsvermögen“, ist juristisch eher kühn formuliert.

Aber es geht ihm ja gar nicht um den Betrieb VW. Es geht ihm um das Volk: „Was das Volk als reumütige Einsicht schlucken soll, grenzt an Verhöhnung“, schreibt Rietzschel, offenbar enttäuscht, dass „ein Unternehmen, welches das Wort „Volk“ im Namen führt“, so agiert: „Weil VW liefert, was sich der kleine Mann leisten kann, möchte ihm das Volk vertrauen.“

Klar: Der Laden gehört zwar nicht dem Volk, heißt aber so – da ist es nur logisch, dass wir ihn auch als volkseigenen Betrieb behandeln und volkseigene Gehälter festlegen. Wir, die Achsionäre des Guten.

Hassismus

Ich sag’s gleich vorab: Ich kenne die Achse-Mitgründer Michael Miersch und Dirk Maxeiner persönlich und halte sie für hervorragende Journalisten. Letzteres trifft auch auf andere der Autoren auf der „Achse des Guten“ zu. Es geht mir hier also in keiner Weise um die Verteufelung einer Gesamt-Publikation – es geht mir nur um die Beiträge, die die Seite immer wieder über den Rand der Polemik hinaus ins hassistische Fahrwasser treiben. Diese sind leider zu häufig (und zu wenig geahndet) als dass sie als Ausraster abgetan werden könnten, es handelt sich eher um „signature moves“.

„Wutjournalismus hat eine weitaus größere Leserschaft als Nachdenklichkeit“, schrieb Michael Miersch, als er sich Anfang 2015 resigniert von der Achse verabschiedete und die Probleme dieser Publikation auf immer noch lesenswerte Weise beschrieb.

Aber genug der Vorrede, begeben wir uns hinein in einen aktuellen Beitrag. Der Text von Oliver Zimski nennt sich „Deutschlands beliebtestes Sado-Maso-Setting“ und spielt auf, Moment, 15 Absätzen das alte Lied von den linken Eliten, die das mit der Islamisierung für „Pipifax“ halten, aber schon auf „Mikrosymptome“ einer rechten Gesinnung „hochsensibel und betroffen reagieren“. Yoah.

Inhaltlich werde ich nicht weiter auf diesen Text eingehen. Das liegt am ersten Satz des 11. Absatzes. Er heißt: „Natürlich ist diese Fixierung auf die NS-Zeit eine pathologische Obsession.“ Als auf „Tichys Einblick“ ein Artikel erschien, der von „pathologisch gestörten Gutmenschen“ handelte, schrieb Roland Tichy zur Begründung der Löschung dieses Beitrags:

„Unterstellung von Pathologie ist für TE keine politische Diskussionsbasis. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich. Roland Tichy und Redaktion bedauern das und bitten um Entschuldigung.“

Ich empfehle den Achse-Betreibern dringend, dem Beispiel des hervorragenden Journalisten Roland Tichy zu folgen.

Detlef Gürtler