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„Wer steckt hinter Macron?“

Nachdenkliche Töne gehören schon lange nicht mehr zum Markenkern der Nachdenkseiten. Stattdessen wiederholen sie die immer gleichen Parolen – plumpe Verschwörungstheorien inklusive.

Spätestens seit den französischen Präsidentschaftswahlen ist offensichtlich, dass das Links-Rechts-Schema zur politischen Standortbestimmung ausgedient hat. Denn wenn sich Linke nicht durchringen können, Emanuel Macron gegen Marine Le Pen zu unterstützen, zeigt das eindrucksvoll: Rechtsradikale sind ihnen nicht weniger fremd als Liberale.

Für viele Linke scheint der wahre Gegner sogar in der Mitte zu stehen – womit sie den Neurechten in nichts nachstünden, deren Vordenker den Liberalismus schon lange zum Feindbild Nummer Eins befördert haben.

Dass es zwischen beiden Lagern viele Gemeinsamkeiten und immer weniger Berührungsängste gibt, zeigt sich auch in der Medienlandschaft. So veröffentlichen die „rechten“ Deutschen Wirtschafts Nachrichten, die uns kürzlich durch ihre scheinheilige Flüchtlingsrhetorik aufgefallen sind, im März ein ausführliches Interview mit Albrecht Müller, Gründer und Macher der „linken“ Nachdenkseiten.

Wer eine kontroverse Debatte auf dem Niveau der Schmalbart-Lagerberichte erwartet hatte, sah sich jedoch getäuscht – der Interviewer der DWN beschränkte sich auf kurze Fragen und ließ dem 78-jährigen Müller viel Raum, um die Welt zu erklären.

Und in dieser Welt, das wissen Leser der Nachdenkseiten, sind die Rollen zwischen Gut und Böse klar verteilt; Übles droht vor allem von den USA, der EU und den Mainstream-Medien. Niemand hat den Müller‘schen Habitus besser beschrieben als Nachdenkseiten-Mitbegründer Wolfgang Lieb, der Ende 2015 im Streit ausstieg und dies mit populistischen Tendenzen begründete.

Pauschal-Kritik an den Eliten

Es reiche nicht aus, kritisierte Lieb in seinem Abschiedsbeitrag, „die Welt moralisch in „Freund“ und „Feind“ aufzuteilen und die Ursache nahezu allen Übels auf der Welt „einflussreichen Kräften“ (oft in den USA) oder undurchsichtigen „finanzkräftigen Gruppen“ oder pauschal „den Eliten“ zuzuschreiben. Die Reduktion gesellschaftlicher Konflikte auf einen Antagonismus zwischen „Volk“ und „Eliten“ halte ich für missbrauchsanfällig.“

Auch Müllers Medienkritik sei zu undifferenziert, monierte Lieb: „Mit einer pauschalen Aburteilung „der“ Medien als „Kampfpresse“ „als undemokratisch, als von Kampagnen, von Einseitigkeit, von Agitation und Dummheit geprägt“ mögen sich vielleicht Menschen bestätigt fühlen, die ohnehin der Meinung sind, wir hätten es ganz allgemein mit einer „Lügenpresse“ zu tun.“

Leider hat Liebs Kritik nicht gefruchtet. Im Gegenteil: Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Müller hat seinen Weg vom unbequemen Querdenker zum linkspopulistischen Verschwörungstheoretiker konsequent fortgesetzt. Das zeigte sich nach der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen in erschreckender Deutlichkeit:

Unter der Überschrift „Wer regiert die Welt? Wer steckt hinter Macron? Wer hat ihn in kurzer Zeit aufgebaut?“ vertrat Müller die These, dass Entscheidungen heutzutage nicht „in einem auch nur annähernd demokratischen Prozess“, sondern von „einflussreichen Kreisen“ getroffen werden. Zu denen gehören seines Erachtens: die „Rüstungswirtschaft“, die „Finanzwirtschaft“, „die Superreichen in der Welt“ und natürlich die Geheimdienste.

Macron – ein Werkzeug dunkler Mächte?

Details nennt Müller nicht. Aber immerhin weiß er, wo man nach den Lenkern des Weltgeschehens suchen muss: „Die Macher des Imperiums der USA sind Teil und Kern des inneren Zirkels der einflussreichen Kreise“. Zudem kennt er ihr neuestes Werkzeug: „Macron“, schreibt Müller, „ist ihr Mann“.

Man muss es so deutlich sagen: Statt nachdenklicher Töne dominieren bei den Nachdenkseiten plumpe Verschwörungstheorien; statt für Meinungsvielfalt stehen sie für die immer gleichen Parolen. Kurzum: Von den hohen Ansprüchen und hehren Zielen, mit denen das Portal 2003 an den Start ging, ist 14 Jahre später kaum noch was übrig.

Fast noch bedenklicher als die Inhalte finde ich aber, was dort nicht geschrieben steht. Eindringliche, emotionale Warnungen vor Le Pen habe ich jedenfalls vor der Stichwahl vergeblich gesucht. Stattdessen las ich mehrere Tiraden gegen Macron, den die Nachdenkseiten unter anderem als „neoliberalen Posterboy“ und als „Danaergeschenk Berlins“ titulierten.

Auch der Sozialist Benoit Hamon bekam sein Fett weg, nachdem er seine Wähler aufgerufen hatte, für Macron zu stimmen. Das sei „symptomatisch“ für europäische Linksliberale, kommentierten die Nachdenkseiten. „Jede noch so kleine Geste gegen „rechts“ wird bejubelt, während man nicht merkt, dass man das Land dem Neoliberalismus opfert und damit erst die Grundlagen für eine vielleicht kommende rechte Machtübernahme schafft.“

Die Logik wird mir freilich nicht ganz klar: Die Nachdenkseiten kritisieren einen Linken, der sich gegen eine Rechtsradikale ausspricht, weil das wiederum den Boden für rechte Machtübernahme ebnen könnte? Beim publizistischen Kampf gegen den liberalen Feind nehmen Müller und seine Mitstreiter offenbar nicht nur falsche Freunde, sondern auch argumentative Verrenkungen in Kauf.

Wann kommt die Erschöpfung (2)

Im ersten Teil hatte ich festgestellt, dass Hass und Feindschaft psychische Ressourcen sind, die sich sehr gut selbst in Gang halten können. Eher kommt man nach einem Anfall heftiger Verliebtheit wieder auf vernünftige Gedanken, als wenn die Seele von einem Hass befallen wird, z.B. vom Hass auf Ausländer, auf die Regierung, die Bürokratie oder auf Meerschweinchen.

Warum ist dann aber nicht noch viel mehr Feindschaft in der Welt? Weil Hass nicht so fürchterlich ansteckend ist. Im Gegenteil: Er hat etwas Abstoßendes …

3. Politisch eindimensionale Kommunikation finden Menschen auf die Dauer anstrengend und überflüssig

Ich frage mich, ob wir jetzt etwa schon die Vorzeichen dieser Erschöpfung sehen? Zumindest bei denen, die mit den Hassern politisch sympathisieren, ohne selbst so verkürzt zu denken?

Es gibt entsprechende Beobachtungen. Zum Beispiel lese ich bei Dushan Wegner, ein halbprominenter Artikelschreiber und ultra-besorgter Konservativer, mit Kolumnenplatz bei Tichys Einblick und entsprechend intellektuellem Profil:

„Ich war die letzten Wochen still, zumindest hier. … Nicht, weil ich nicht erbost gewesen wäre. … Der Grund ist ein anderer: Es langweilt mich, zu sagen, was ich doch schon früher gesagt habe. Was soll man kommentieren? … Soll man jammern über den Untergang des Westens, befördert von ‚Gutmenschen‘ und beklatscht von ‚linkem‘ Selbsthass? … Selbst wenn Deutschland die Regierung Merkel im Wahljahr 2017 abschüttelte, was Menschen guten Willens diesem wunderbaren Land doch wünschen müssten, was wäre derzeit die Alternative? … Egal, was und wer kommt, der von der Regierung Merkel-Maas angerichtete Schaden wird noch Jahre und Jahrzehnte nachwirken. Ich werde mit Kommentaren und Analysen wenig daran ändern.“

Mit dieser Melancholie bezahlt man, wenn man radikale Ideologeme und Bilder zu unkritisch inhaliert hat.

Die seltsame Pathetik von Dushan Wegner kann man außer Acht lassen, es geht ums Erschöpfungssyndrom als solchem. Schon vor Längerem waren mir auf dem nationaldenkerischem Unterhaltungsblog „Sezession“ Anflüge rechter Melancholie aufgefallen (ein Ideenzentrum der AfD, Motto: „Etiam si omnes – ego non“, zu dt. sinngemäß „Wenn mir drei Ärzte sagen, dass ich krank bin, meine ich trotzdem, ich sei gesund“) .

Bei dem erschöpft klingenden Wegner wittern nun einige Kommentierer Kapitulationsbereitschaft und rufen zurück zum Gefecht, andere teilen das Gefühl, dass es nicht voran geht („Wir sind im Krieg. Im Krieg gegen die Lüge …“, „Resignation ist Kapitulation“, „momentan habe ich mich für die innere Emigration entschieden“, …) .

„Der Untergang des Westens“ ist eine distanzlose Übertreibung (auch wenn Dushan Wegner beim Definieren zu abstrakter Form aufläuft: „‚Der Westen‘ ist ein Gedanke. Für mich ist ‚der Westen‘ das Primat des Verstandes über das Gefühl.“). Mit der bekannten Blindheit der Heutigen für den sportlich langen Atem der Geschichte wird plötzlich die nächste Bundestagswahl zum größten Schicksalsentscheid aller Zeiten.

Wer dieses viel zu große, mit opulenten Bildern vollgehängte Luftschloss bewohnt und dabei glaubt, er befände sich noch auf den Boden der Tatsachen und nicht längst in dem dünnen Äther der ideologischen Tretmühlen, der muss ja irgendwann in das Nachsinnen über die Nutzlosigkeit seines Daseins verfallen.

Das Bewusstsein der Chancenlosigkeit gegenüber dem Gang der Geschichte, die ja eigentlich nie den bestmöglichen Weg nimmt und schon gar nicht den, den sich ein Denker wünscht, kommt nicht zufällig gerade in diesen Tagen stärker auf.

Es speist sich auch aus dem Blick auf die nackten Zahlen. „Selbst wenn Deutschland die Regierung Merkel im Wahljahr 2017 abschüttelte ….“ – selbst dann wird es keine Regierung geben, die den Kampf gegen den Fimmel „Untergang des Westens“ aufnehmen würde.

Das ist heute noch klarer als Anfang des Jahres.

  • Seit dem 16. Januar hat die AfD ziemlich genau 33% Umfrageanteil verloren.

Die Werte der einzigen Hoffnungsträger-Partei der Neuen Rechten gingen bei Pollytix von13,6% auf 9% zurück (Pollytix bildet einen Index aus allen seriös durchgeführten Umfragen, Stand 13.4., hat sich zuletzt wieder leicht nach oben gebogen).

Dabei hat der Kurs der AfD die „charttechnische Unterstützung“ bei etwa 10% nach unten durchbrochen.

  • Hofften die AfD-Fans Anfang des Jahres noch, über die 13%-Hürde hinauszuwachsen, womöglich nach dem Vorbild anderer europäischer Populisten-Parteien Richtung 20%, so muss man jetzt davon ausgehen, dass die 10%-Marke in etwa der neue Deckel ist.

Der Verfall ist innerhalb von nur drei Monaten eingetreten. Er könnte noch weiter gehen, zumal wenn die Selbstausgrenzer-Kommunikation noch lauter gedreht wird.

Ungünstig für die Neue Rechte sind Personalien wie  Höcke und Trump als abschreckende Beispiele und neuerdings auch Alice Weidel, die mit ihren raubtierkapitalistischen Positionen nicht sozialverträglich ist und überdies die männliche Klientel der Partei an ihre schlimmsten Alpträume von einem dominanten Hausdrachen erinnern dürfte. Dem steht Schulz mit seinem markanten Mundwerk als Volkstribun der linken Mitte beinahe strahlend gegenüber.

Und schließlich spielt eben auch eine Rolle, dass die Faszination der immer gleichen, immer übertriebenen, immer leicht nach Neu-Nazitum riechenden Negativ- und Provokationskommunikation ihre Zugkraft verliert …

… und noch mehr: Immer mehr Bürger werden sich anhand der Krawallkommunikation der AfD-Anhänger in den sozialen Medien darüber klar, dass der „Untergang des Westens“ mitnichten schon fest gebucht ist und man aus vielen Gründen der AfD nicht das amtliche Steuerrad überlassen möchte (die Dushan Wegner übrigens auch nicht für wählbar hält).

Lässt sich das alles kurz zusammenfassen?

Politischer Hass führt zu einer Propaganda-Kommunikation, die ständig die Beurteilung der Lage maßlos übertreibt. Sie treibt sich damit selbst in den Tunnel der eigenen Wut und Verzweiflung hinein.

Auf diese Weise mauert sich „Hasskommunikation“ zunehmend ein, ähnlich wie Pegida-Demonstranten mit niemanden mehr sprechen können als mit sich selbst oder Verschwörungs-Phantasierer nur ausgelacht werden.

Die AfD – und zumal die Mehrzahl ihrer Anhänger – ist den Weg in den politischen Tunnel gegangen und wird sich eventuell kaum noch daraus befreien können. Die Ablehnung der Anträge Petrys auf dem Parteitag in Köln bestätigt den Befund. (Seit Anfang des Jahres unternimmt ein AfD-Unterstützer den Versuch, einen „überparteilichen“ Zusammenschluss der Unzufriedenen in Bewegung zu bringen, auch der kann keine neue Zielgruppen mehr ansprechen).

Die AfD und ihre Social-Media-Anheizer kommen nur noch in den Momenten aus der Isolation heraus, in denen die Gesellschaft gerade von starker Aufgeregtheit erfasst ist, wie z.B. bei dem Attentat vor Weihnachten in Berlin.

Dennoch zeichnet sich ab, wie Radikalismus, Hass und Alarmismus zwar viel Aufmerksamkeit erhalten, aber in die Verinselung führen. Das zeigt auch eine Datenanalyse der Kommunikation auf Twitter:

Die Nische ist, zumindest in gewöhnlichen Zeiten, das Schicksal jedes überdramatisierenden Radikalismus. Sogar viele Autoren von Tichys Einblick halten die AfD für unwählbar, einschließlich Anabel Schunkes.

Gut möglich, dass die Hasskämpfer in den kommenden Monaten von der Melancholie über ihre eigene Wirkungslosigkeit erfasst werden. Und leider auch gut möglich, dass die Ausländer-Hasser aus lauter Frust noch gewalttätiger werden, etwa so oder so.

Aber wenn die Einsicht in die Vergeblichkeit der Unruhestiftung wächst, dann ist Platz für Erschöpfung und Deutschland könnte wieder friedlicher werden. Und diskussionsfreudiger.

Die meisten Menschen sind den ultrarechten Quatsch ja schon mehr als müde.

Wann kommt die Erschöpfung? (Teil 1)

Wie lange kann man Tag für Tag, Woche für Woche Polemik, Wut, Beleidigungen und Hass ausgießen? Wann ist man erschöpft davon?

Neonazis und AfD-Fans werden derzeit verunsichert. Sie spüren eine gewisse Wirkungsbegrenzung ihrer Konzepte. Wie ein Autofahrer, der bergauf fährt und trotz durchgedrücktem Gaspedal allmählich langsamer wird.

Das AfD-affine Milieu hat sich seit Herbst 2015 immer wieder selbst die Geschichte erzählt, ihre besonders rabiate Ausländerfeindlichkeit entspräche in Deutschland „der Meinung des Volkes“.

Eine Weile ging es ja auch gut voran. Brexit und Trump schienen anzuzeigen, dass viel höhere Ziele möglich wären. Auch in in Deutschland könnte eine neue nationalistische Epoche vor der Tür stehen. Ein Umbruch.

Inzwischen zeichnet sich zumindest für Deutschland ab, dass die Mitte hält und wieder stärker wird. Aber…

1. Hass ist eine nachhaltige Ressource

Liebe ist wechselhaft. An einem Tag verliebt, am nächsten vorbei.

Hass ist dagegen ein Raubfisch, der sich jeden Morgen neue Nahrung reißt.

Ein per se übertriebenes Gefühl, das weiter und weiter läuft und erst locker lässt, wenn das Hassobjekt erledigt ist – besiegt, verjagt, mundtot gemacht, ermordet.

Weil das vollständige Erledigen gar nicht möglich ist, solange man zivilisiert bleibt, entsteht ein Antrieb, den Hass wieder und wieder zu äußern, zu bloggen und zu posten.

Wegen seiner Unerschöpflichkeit erzeugt Hass die bekannten einhämmernden und meist sinnleeren Kommunikationsformen. Bots imitieren diese hämmernde Kommunikation.

Die Anlässe gehen nie aus. Wenn sie doch einmal ausgehen sollten, dann werden alte Hassvorlagen recycelt. Geschlossene Facebook-Gruppen der AfD-Fans bestehen zu einem großen Teil aus dem Posten von Hassäußerungs-Anlässen aller Art, wobei keine Rolle spielt, ob diese neu, alt, ausgeschnitten oder erfunden sind.

Richtigstellungen werden ignoriert, als wären sie unsichtbar, während andererseits jedwedes passende Gerücht ungeprüft aufgegriffen wird. „In den sozialen Netzwerken schafft sich die AfD ihre eigene Öffentlichkeit“, hat netzwelt.org zusammen mit dem Tagesspiegel gerade analysiert.

Hier liegt ein Grund, warum der ethisch unbeschränkte russische Info-Krieg gerade auf die Kreise der Hasser ausgerichtet ist und warum selbst die plumpesten Desinformationskampagnen nirgends erfolgreicher ausgesät werden können als bei denen, die auf die holzschnittartigen Weltanschauungen schon voreingestellt sind.

Der Erfahrungsbefund ist ziemlich eindeutig: Die agitatorische Subkultur der rechtsradikalen Facebook-Gruppen rund um die AfD ist in ihrer a) Trivialität, b) Aggressivität, c) Borniertheit und d) Tretmühlenhaftigkeit einzigartig im politischen Spektrum.

Der psychische Hassanteil ist auch massiv höher als auf vielen konservativ bis national gestimmten Meinungsportalen.

Hass ist als Gefühl nicht zu diskutieren und muss sich artikulieren dürfen. „Ich könnte bei dieser Frau kotzen“ ist schwer beleidigend, aber tolerierbar als Gefühlsäußerung.

Eine ganz andere Sorte sind Mordfantasien wie die, die jemand gleich darunter gepostet hat: „Ich würde mit dieser Frau ans Meer fahren, nur ich, sie und ein Sack Zement als Gepäck.“ (Quelle: eine AfD-Fangruppe)

Politische Hass-Motivationen, die sich auf Namen beziehen, also auf „Schuldige“ statt auf Ursachen, führen fast immer in eine krasse Borniertheit bzw. in den Extremismus, verbunden mit einem steigenden Drang zu Gewalttätigkeitssprache, was zumindest ein Klima der Bedrohung schafft.

„Not schlachten, dieses ungebildete Stück Scheiße. Deutsche Politik besteht nur noch aus Abschaum, Säufern, Drogenabhängigen, Kinderschändern (Pädophilen ), Inzucht-Schweinen u.v.m.“ (ebenda)

„Klima“ heißt aber nichts anderes, als dass sich die angefeindeten Personen tatsächlich bedroht fühlen, und nicht grundlos, wenn es schon Gewaltakte gegen Andersdenkende gab.

Historisch ging die Hasssprache der Rechtsradikalen tatsächlich immer wieder einher mit Mord, Totschlag, Verletzungen und schweren Verletzungsgefahren (während sich linke Hasskriminalität meistens gegen Sachen richtet). Und ohne weiteres können auch völlig Unschuldige getroffen werden (hängt dann nur von Äußerlichkeiten ab).

Aber was ist der große psychologische Haken beim Hassen als Kommunikationsform?

2. Hass ist hässlich und macht schlechte Laune

Hass speist sich aus „Unlust“ und Frust, verstärkt den Frust, verdirbt anderen das Leben.

Hass macht den meisten Menschen keinen Spaß, sondern stößt ab.

Während geteilte Liebe, wie man so schön sagt, die Liebe vermehrt, kann sich Hass nicht so einfach aus sich selbst heraus vermehren, sondern erzeugt starke Reaktanzen und „Unwohlsein“ – daher Abkehr, Widerrede, Streit und Gegnerschaft.

Deshalb finden Hasser und dogmatische Ideologen draußen auf der Straße nur schwer Freunde.

Im Netz sind die Bedingungen für Hasser allerdings günstiger. Hier fällt es ihnen viel leichter, Ansammlungen von Gleichartigen zu bilden, weil Wohnorte keine Rolle mehr spielen.

Extremisten und Hasser haben das Web sofort für sich entdeckt. Seit den frühen 80er Jahren gehörten sie zu den Vernetzungspionieren. Das erste rechtsextreme Hassprediger-Forum im Web trat 1995 in Erscheinung und existiert bis heute: stormfront.org.

Der Gründer Donald (!) Black (!) erklärte schon 1998, dass ihm die Internet-Seite die Rekrutierung von Leuten ermöglichte, die er sonst nie erreicht hätte. Und das zu sehr geringen Kosten und ohne Behinderungen durch Polizei oder andere Staatsorgane.

Die Freundefinder-Funktion des Netzes ist auch heute noch ein zentraler Vorteil für Agitatoren mit radikaler Agenda, zum einen weil damit auch kleine Gruppen Größe simulieren können, zum anderen wegen der Bindekraft durch die soziale Unterstützung, die man dort bekommt, während man z.B. in Verein oder am Arbeitsplatz eher isoliert bleibt („mit den meisten Menschen ist es nicht möglich, über das Thema zu sprechen“).

  • Ein Internet frei von Hass hat es also nie gegeben und dürfte es vermutlich auch nie geben.

Nicht zuletzt dank Facebook sind die Hasstrommler allerdings inzwischen direkt im zentralen Sichtfeld der Gesellschaft angekommen, was praktisch demokratische Architekturen durchaus fragiler macht, abhängig davon, wie hoch das Krisenthermometer gerade nach oben saust.

Der Nutzen der Vernetzung für aggressive Extremisten wurde schon früh beobachtet. James Adams, Washington-Korrespondent der Sunday Times, hob 1997 als wesentliche Veränderung des politischen Lebens seit 1992 hervor:

“The arrival of the Internet has provided the first forum in history for all the disaffected to gather in one place to exchange views and reinforce prejudices. It is hardly surprising, for example, that the right-wing militias‘ favorite method of communication is e-mail and that forums on the Internet are the source of many of the wild conspiracy theories that drive the media. … Such is the level of distrust and disgust, that people outside Washington see their nation’s capital as a home to a group of self-serving politicians whose work is largely irrelevant to the lives of ordinary working folk.”

Nur zwei Jahre später, 1999, schrieb Michael Whine in einer der ersten wissenschaftlichen Studien zu dem Thema:

“Two of the groups which have quickly grasped the advantages of networking via the new information technologies are the Far Right and Islamic fundamentalists. The Far Right is increasingly active in the U.S.A. and Europe and seeks to return to some imagined past world in which an armed, racially pure, white man can live untroubled by the police, the Inland Revenue, and the world banking system.”

Der Nutzen von unmoderierten Plattformen für aktivistische Extremisten hat sich in den vergangenen Jahren auch in Deutschland erwiesen.

Als die NPD in Wahlen schon überhaupt keine nennenswerte Größe mehr war und kontinuierlich dünnere Ergebnisse erzielte, glänzte sie auf Facebook als erfolgreichste und aktivste Partei – auch ein Beweis dafür, dass hassartige Motivationen im Netz mehr Land erobern können als im „realen“ Leben:

  • Im ersten Halbjahr 2014 lag die NPD mit 1,2 Millionen Interaktionen deutlich auf Platz 1, auch beim Wachstum der Follower.
  • Auf Platz 2 lag damals bereits die AfD mit 800.000 Interaktionen, …
  • … auf Platz 3 lag weit dahinter die SPD mit 200.000 Interaktionen.

Solche Social-Media-Erfolge sind das Ergebnis (1) einer engagierten Organisation und Betreuung der Seiten, (2) von einem trickreichen Simulieren der eigenen Bewegungsgröße, (3) einer Klientel, die genug psychische Energie mitbringt („Wut“, „Hass“, „Ärger“), um wieder und wieder auf die gleichen drei oder vier Themen einzusteigen.

Hat sich das Extrem-Milieu erst einmal gefunden, kann Hass die entscheidende Ressource sein, um stabile, schlagkräftige Gemeinschaften zu stiften.

Hass erfordert kein Nachdenken, um sich zu äußern, und erlaubt den Mitgliedern, im Gefühl, sozial gestützt zu sein, über andere herzuziehen, sie zu beleidigen, zu verleumden, fertig zu machen.

Man bekommt sogar Likes, wenn man „nur so“ phantasiert, wie man verhasste Menschen erledigt.

Konsequenz: Von Hass getragene politische Bewegungen können sich im Netz besser solidarisieren und leichter die Bereitschaft für Gewalt wecken.

Ist dies der Grund, warum das Gewalttätigkeitsgerede nicht ohne Weiteres vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sein kann? Sogar Rechtsextremisten kennen die Wort-Tat-Problematik, z.B. wenn sie ein viel schärferes Vorgehen gegen salafistische Hass- und Terrorprediger fordern.

Ich vermute allerdings, für das Wachstum der Hassgruppen gibt es eine Grenze. Der Hass steckt nicht alle an, sondern nur die, die schon gefrustet sind. Bei anderen erzeugt die Gewalttätigkeitssprache eher Ablehnung und diskreditiert sogar Positionen, die in anderer Redeweise eventuell diskutierbar wären.

Die Kehrseite der variationsarmen Negativ-Kommunikation ist, dass sie mit der Zeit ihre Agitatoren erschöpft und die Leser ermüdet, nämlich sobald die Menschen merken, dass es nicht mehr weiter voran geht, dass der Hass „hohl dreht“, dass die ganze tägliche Aktivität nichts mehr bringt.

Die Abnehmer werden überdrüssig, verschwinden und neue Zuhörer werden nicht mehr erschlossen …

(Teil 2 gibt es am Donnerstag hier auf Vox Populisti. Dort geht es um Anzeichen, dass die Dauerhass-Kommunikation ihre Protagonisten bereits nicht mehr stärkt, sondern eher schwächt.)

Spaziergang durch die Klimadebatte

Tauwetter oder Klimawandel?

 

„Treffen sich ein Präsident und ein Wissenschaftler und reden über Klimawandel…“ – so könnte der Beginn eines Polit-Märchens klingen, in dem das Gute gegen Böse kämpft, und am Ende vielleicht sogar siegt. Wer aber gut und wer böse ist, ist in Sachen Klimawandel nicht mehr ganz so eindeutig. Nicht nur, weil aus dem Thema Umweltschutz ein schwerwiegender Interessenkonflikt geworden ist, der meilenweit vom Konsens entfernt ist. Das Märchen hat mittlerweile zu viele Autoren. Ein Rundgang durch die rechten Stimmen der US-Medien nach Donald Trumps Klima-Erlass

Vorvergangenen Dienstag meldet sich der Fox News Alert mit einer Ankündigung aus dem Weißen Haus: „In einigen Stunden wird der Präsident eines seiner Wahlversprechen angehen: Ein unabhängiges Energie-Amerika. Trump wird einen Erlass signieren, der eine Prüfung von Präsident Obamas Energiestrategie veranlasst“, verkünden die Moderatoren. Szenen aus Trumps Wahlkampf werden gezeigt, in denen er sich einen Arbeiterhelm aufsetzt, symbolisch die Fäuste ballt und schaufelnde Bewegungen macht. Der Präsident sei der Meinung, es sei an der Zeit Obamas „exzessive“ Regulierungen zurückzudrängen, denn sie würden der Wirtschaft schaden, so der Moderator. So habe Trump den Kohle-Arbeitern auch versprochen, den Clean Power Plan anzufechten. „Das wird heute vor allem die Demokraten frustrieren“, beendet der Moderator den Beitrag. Bei CNN, der New York Times und anderen „failing mainstream media“ (Trump) qualmen bereits die Schornsteine.

Ähnlich der milden Ankündigung von Fox News mit Fokus auf ein „unabhängiges Amerika“, auf Wahlversprechen, die Kohle-Arbeiter und die verheerenden Folgen von Obamas Klimapolitik, bleibt auch der erste Artikel von Breitbart News überraschend sachlich: „Trump fechtet Obamas Klimapolitik mit Executive Order für Energie-Unabhängigkeit an“, das Titelbild zeigt die beiden Präsidenten im Oval Office, Obama schweigend den Blick auf den sprechenden Trump gerichtet. Breitbart-Autor Leo Lutz berichtet vorwiegend im Wortlaut eines (namenlosen) „Senior Administration Officials“: Die Trump-Regierung werde einige der Obama-Regularien prüfen, andere, soweit möglich, sofort außer Kraft setzen. Im Gegensatz zu Obamas Regierung, die sich nur auf eigene Schätzungen gestützt habe, würde die Trump-Regierung nun alle Werte und Möglichkeiten überprüfen, von nuklearen bis hin zu erneuerbaren Energien. Fragen zur US-Rolle im Pariser Klimaabkommen blieben vorerst unbeantwortet. Dafür: Eine „starke, wachsende Wirtschaft sei eines der besten Mittel, die Umwelt zu schützen“. Obama hätte die Arbeiter „entwertet“, sagt der Präsident, er würde nicht zulassen, dass Klima-Regulierungen die US-Wirtschaft gefährden. “It’s very simple”, zitiert Lutz den Sprecher zum Schluss.

Ist Breitbart plötzlich regierungskritisch?

Der Artikel geht zunächst einmal gut rein, so werden ja Aufschreie anderer Medien, internationaler Politiker und Klima-Akteure außer Acht gelassen. Doch Breitbart macht den Anschein, beinahe regierungskritisch zu sein. Ja, beinahe: Joel B. Pollak lässt in dem Artikel „Jerry Brown ruft zur ‘Gegenbewegung’ von Trumps Klima-Politik auf“ den Gouverneur von Kalifornien zu Wort kommen. Brown hat Trumps Vorgehen vehement kritisiert, wie Pollak in langen Zitaten illustriert. Dabei bleibt es allerdings: Ohne Browns Aussagen zu diskutieren, schließt Pollak mit: „Die Executive Order vom vergangenen Dienstag hat keinen Einfluss auf den Status der amerikanischen Teilnahme am [Pariser] Klimaabkommen.“ Um das Image des regierungskritischen Beitrags zu wahren, weist Breitbart unterhalb des Textes noch auf folgendes hin: Pollak selbst sei im vergangenen Jahr zu einer der einflussreichsten Personen der Nachrichtenmedien gewählt worden.

Gegenwind liefert letztendlich James Delingpole, Executive Editor von Breitbart London und Autor von diversen Romanen und politischen Büchern (u.a.: “How to Be Right. The Essential Guide to Making Lefty Liberals History”, 2007). Delingpole ist das Enfant Terrible der weißen britischen Mittelschicht, er selbst bezeichnet sich als Satiriker. Gleich zwei Artikel schießt Delingpole zwei Tage später raus, allerdings ohne sich direkt auf Trumps Energie-Erlass zu beziehen. Im Visier der Artikel steht Michael Mann, ein Wissenschaftler der seit Jahren vor dem drohenden Klimawandel warnt. Für Delingpole ist der Wissenschaftler damit Teil einer Bewegung von Lügnern, denn er selbst negiert die Existenz eines Klimawandels.

Während der erste Artikel ausschließlich Manns scheinbar unsäglichem Dasein gewidmet ist, richtet sich Delingpole im zweiten Artikel an den britischen Fernsehsender BBC, der erst kürzlich Mann für eine Dokumentation als Experten interviewt hatte. Delingpole erhebt den Finger zur Medienkritik: “More Climate Fake News From The BBC”, titelt er, auf dem Bild Michael Mann am Rednerpult. Auftakt der 989-Wort-Hasstirade: „Gestern erkundigte ich mich über den lügenden Lügner und Klima-‚Wissenschaftler’ Michael Mann: ‚Nimmt den überhaupt noch jemand ernst?’“ Ob das für Delingpole nun „satirisch“ ist, soll an dieser Stelle offen bleiben. Hintergrund der aufflammenden Mann-Debatte ist die Anhörung von vier Wissenschaftlern zum Klimawandel im Kongress am vorvergangenen Mittwoch. Michael Mann war einer von ihnen, ihm gegenüber standen allerdings drei Wissenschaftler, die Republikaner gerne zitieren, wenn es darum geht, die Rolle des Menschen in der Erderwärmung zu bezweifeln.

Für Delingpole ist das irrelevant, denn trotz allem habe die BBC es gewagt, Michael Mann für die aktuelle Folge der Wissenssendung Inside Science als Klima-Experten zu holen. Delingpole zitiert Manns Version der Kongress-Anhörung ausführlich, um zu illustrieren, dass es sich hierbei auch um ein Skript von Greenpeace handeln könne. „Es ist eine schwierige Zeit für jeden, dem etwas an der Wissenschaft liegt“, klagt Mann in dem Zitat. “Weapons grade bilge” übersetzt Delingpole, was soviel heißt wie „atom-explosiver Schwachsinn“. Dazu wäre es die Pflicht des BBC-Moderators Adam Rutherford gewesen, Manns Aussagen anzufechten. Vielmehr noch: die BBC selbst sei zu einer kritischen Berichterstattung verpflichtet, betont Delingpole und unterstreicht seine Anklage mit einem Absatz aus der 2006er Charta des Netzwerks, in der die BBC sich eigens dazu verpflichtet, stets überparteilich und differenziert zu berichten.

Damit ist Breitbarts Dramaturgie gelungen: Zunächst ein sachlicher Report, dann ein kurzer Exkurs in die Opposition, unmittelbar darauf jedoch ein ausführlicher Kommentar von einem bekennenden Klimawandel-Kritiker. Damit allein ist Breitbarts Ansatz tatsächlich etwas „breiter“ als gewohnt. Doch das Netzwerk überspannt den Bogen, indem es gleichzeitig eine Messlatte anlegt, die es keineswegs selbst erreicht. Leider mit Effekt: dass Delingpole sogar die Charta der BBC zitiert, um auf mangelhafte journalistische Methodik hinzuweisen, mag noch so absurd erscheinen – es ist auch schlau. Auf Einzelpersonen zu verweisen, deren Einfluss in jüngsten politischen Entscheidungen eher klein ist, lenkt vom eigentlichen Geschehen bestens ab. Was für ein schönes Märchen!

(Un)moderierter Affenzucker

Eines der besonderen Merkmale der Hassisten von breitbart.com ist ihr Kommentariat. Selbst bei vergleichsweise harmlos formulierten Meldungen tobt sich ein offenbar völlig unmoderierter Mob aus – und wenn man die Sortierfunktion so einstellt, dass die beliebtesten Kommentare ganz oben erscheinen, sieht man auch schnell, welche Affen sich da gegenseitig Zucker geben. Nehmen wir beispielsweise die gestrige Axt-Attacke am Hauptbahnhof in Düsseldorf, die von Breitbart recht neutral als „Axeman injures several at German train station“ gemeldet wurde: Innerhalb weniger Stunden hagelte es mehr als 5000 Kommentare, und meistgeliket davon (mehr als 500 mal) war:

„Another day. Another Islamic terror attack. But.. but… but London Mayor Kaka Khan said we need to get used to it. How about, f uck you!“

Die Attacke hatte zwar nichts mit Terror zu tun, aber das spielt für den Breitbart-Mob bekanntlich keine Rolle.

Wie wird das eigentlich in Deutschland gehandhabt? Einige früher mit besonders trolligen und menschenverachtenden Kommentariaten versehenen Medien haben inzwischen durch Moderation ihrer Social-Media-Seiten ein menschlicheres Antlitz bekommen, andere haben dazu entweder keine Zeit oder kein Geld oder keine Lust. Dumm klickt halt gut.

Ich habe einmal versuchsweise einen Schnelldurchlauf durch die Facebook-Seiten einiger Medien gemacht –  und zwar bezüglich des das ganze Land schockierenden Mordfalls in Herne. Dort hat sich gestern der von der Polizei gesuchte Verdächtige gestellt. Das war verständlicherweise überall Thema, und wurde überall viel und heftig kommentiert. Vermutlich gab es überall Kommentare, die mit dem Verdächtigen kurzen Prozess machen oder ihn möglichst quälend töten wollten, aber ein Medium, das auch nur einen Funken Anstand im Leib hat, sollte zumindest die schlimmsten dieser Auswüchse wegmoderieren. Ist das tatsächlich passiert? Und wo nicht? Da ich keinen Einblick in die Interna der Social-Media-Redaktionen haben, zitiere ich im folgenden jeweils den aktuell meistgeliketen Kommentar unter der entsprechenden Meldung. Die Reihenfolge, in der die Medien hier aufgeführt sind, entspricht meiner persönlichen Einordnung, die schlimmsten zuerst, die besten zuletzt.

Stern: „Jetz kommt der in den knast und dann beansprucht er noch schön steuergelder und hier in deutschland sagt man ja das der knast sehr locker ist und es den dort viel zu gut geht das hat der nicht verdient!!! Er muss genauso hingerichtet werden wie er es den anderen angetan hat !!“

Focus: „Schade, dass die Bandidos nicht schneller Waren! Trzdm gute Arbeit von der Polizei, nur 3 Tage gebraucht um ihn im selben Ort festzunehmen!“

n-tv: „Schade das die Banditos ihn nicht zuerst erwischt haben…er hat auch noch schwein dabei…“

RT Deutsch: „dann mal viel spaß im knast….als kindermörder und dazu noch von nem kind von einem member von nem rockerclub….da hat er keine große lebenserwartung mehr….die regeln das dann schon…

Rheinische Post: „Wie es in unserem „schönen“ Land ist, wird er wahrscheinlich als psychisch labil in eine geschlossene Anstalt eingewiesen und nach fünf Jahren wegen guter Führung entlassen. Jeder CD Diebstahl oder Drogenkonsum wird höher bestraft als solch ein wiederliches Verhalten! Man sollte solche Menschen den Eltern der Kinder ausliefern.“

WAZ: „Ja und was passiert jetzt? Er wird nach Jugendstrafgesetzt verurteilt. Kommt dann in die Klappse fürn paar Jahre, dann wird er nicht mehr für gefährlich eingestuft und darf weiter machen.“

FAZ: „Anstatt ein paar Minuten zu warten um eine vernünftige Meldung mit Inhalt zu zeigen kann man auch mal einfach mal eine Überschrift posten. Alle haben es sicher super eilig zu erfahren, dass eine Person festgenommen wurde, aber noch nicht mehr bekannt ist. Das bringt extra Klicks und ohne unnötige Informationen bleibt mehr für die Kreativität.“

Süddeutsche Zeitung: „Ich würde ja sagen, dass der Rest Sache von Polizei und Justiz ist und nicht von wilden Spekulanten, welche meistens Praktiken fordern, welche sie unter dem Namen „Scharia“ verteufeln.“

ZDF Heute: „Ich bin froh, dass die Polizei ihn nun hat und dass er so mit rechtsstaatlichen Mitteln seiner Strafe zugeführt werden. Die Lynchaufrufe der letzten Tage haben mich sehr schockiert, zeigen sie doch ein Maß an Verrohung unserer Gesellschaft, dass ich nicht für möglich gehalten hätte.
Mein aufrichtiges Mitgefühl gilt den Eltern des Jungen und den Familien beider Opfer. Ihnen wünsche ich Kraft und Beistand in dieser schweren Zeit.
Unserer Gesellschaft wünsche ich innehalten und starke Kräfte gegen den Hass.“

Bild: „Ich finde es sehr erschreckend das in den Kommentaren die schlimmsten Fantasiemorde gepostet werden. Rein mental sind diese Kommentarschreiber gar nicht so weit von diesem Mörder weg. Wenn so viele Leute über ihre Gewaltfantasien schreiben, muss man sich dann überhaupt noch Fragen wie es zu solchen Taten kommen kann? Der Mensch an sich neigt anscheinend zum Sadismus.“

Huffington Post: „Die Gewaltfantasien und Gewaltbereitschaft im Netz, ist ebenso erschreckend, wie die Tat selber. Geistig stehen diese Leute mit dem Täter auf einer Stufe.“

Tagesschau: „Der neunzehnjährige mutmaßliche Mörder muss im Rahmen unserer Rechtssprechung zur Rechenschaft gezogen werden. Es ist gut, dass wir in einem Rechtsstaat leben und die Aufarbeitung von Verbrechen durch unsere Gesetze geregelt ist. Ein Großteil der bisher im Netz veröffentlichten Kommentare ist unerträglich und ist mit unseren Gesetzen nicht vereinbar.“

Spiegel Online: „Na Gott sei Dank bevor der Mob Zugriff, glücklicherweise leben wir in einem Rechtsstaat. Wohin würde es führen, wenn jeder Selbstjustiz verüben würde?! Genau in Ländern wie Nigeria oder Sudan.. Und mit diesen Ländern wollen wir uns ja wohl nicht auf eine Stufe stellen.“

RTL: „Ich bin müde, Boss… Am meisten müde bin ich, Menschen zu sehen, die hässlich zueinander sind. Der Schmerz auf der Welt und das viele Leid, das macht mich sehr müde. Es gibt zuviel davon. Es ist als wären in meinem Kopf lauter Glasscherben.“

Welt: „Liebe Leute! Jetzt ist aber mal Ruhe hier im Karton! Mindestens ein Mensch ist gestorben – der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. Alle, die hier jetzt nach Lynchjustiz rufen und mit Gewaltfantasien um die Ecke kommen, werden von uns gesperrt. Wir greifen da rigoros durch. Solche Leute haben bei uns auf der Seite nichts verloren.“

Auf den Facebook-Seiten von (u.a.) Zeit, Neues Deutschland, taz, Tichys Einblick, Epoch Times, Junge Freiheit und Achse des Guten war die Verhaftung von Herne kein Thema.

Mein persönlicher Eindruck: Von den früher für besonders krawallige Kommentariate bekannte Seiten haben als gebrannte Kinder fast alle die Moderation deutlich verbessert, mit Focus als trauriger Ausnahme. Von den üblich verdächtigen Populisten ist hier nur RT Deutsch hoch in der Abscheu-Rangliste vertreten – die Rechtsaußenstürmer schauen wir uns noch mal an, wenn der mutmaßliche Täter kein blonder Deutscher ist.

Beleidigte Hitlerwurst

Das haben wir nun wirklich nicht gewollt. Dass sich Völkische jeglicher Braunfärbung greinend auf Twitter beschweren, dass sie gleich als Nazis beschimpft werden, nur weil sie das Klofenster nach dem Kacken nicht aufmachen, weil sie Schweinherzen sezieren, weil sie Volksabstimmungen fordern, oder weil sie eigene Frauen und Kinder verteidigen wollen, wobei, Moment mal: EIGENE Frauen? Dann ist man ja wohl entweder Sklavenhalter oder Bigamist, also kein Nazi, sondern kriminell, aber zurück zum Hashtag #istHitler, unter dem sich gerade so etwas tummelt. Weiterlesen